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  Buch: Die Farbigen Fenster des Ersten Goetheanum, Seite 1 - 32
 

 

Eine Betrachtung der Fenster im Verhältnis zu den neunzehn Stunden der esoterischen „Michaelschule“ Rudolf Steiners

 von Gudrun D. Gundersen

Einleitendes   Vorwort

Durch gleichzeitiges Beschäftigen mit den Fenstern des Goetheanum und der „Michaelschule“[1] wurde mir nach und nach klar, dass beide einen innigen Zusammenhang mit einander haben. Beide sind verdichtete Formen aus der Geistesschau Rudolf Steiners und beide beschreiben den auch heute durchaus begehbaren Weg einer Einweihung. In dem über 6000 Vorträge umfassenden Vortragswerk Rudolf Steiners lassen sich diese Inhalte ausführlich bearbeitet auffinden und somit selbstständig weiter vertiefen.

Dieser Artikel möchte den Leser anregen, die farbigen Fenster des großen Saales des Goetheanum mit vertieftem Verständnis anschauen zu können. Damals, im Ersten Goetheanum, hatten die Fenster aus dem Gesamtkonzept des Baues eine dreifach gegliederte Form, und heute sind sie rechteckig und lang gestreckt gebildet – in der Gestaltung des Zweiten Baues. Wir finden aber die gleichen Motive und Inhalte der Fenster wieder – nur anders angeordnet im Zweiten Goetheanum.

Diese Fenster sind uns zugängliche, leuchtende Imaginationen und möchten den Betrachter durch ihr Dasein und Betrachten anregen selber weiter forschen zu können im vergleichenden Schauen der paarweise farbigen Fenster und dem nachfühlenden Erleben der mantrischen Worte der Michaelschule.

Die Fenster sind durch das hereinfallende Licht und die dabei sichtbar werdenden Gebilde in Form und Inhalt wahre Bilder – Imaginationen – der geistigen Welten. Sie sind Ein-Blicke in die Themen, die jede Einweihungsschule behandeln muss, um den heutigen Menschen zu einer wahren Selbsterkenntnis seines eigentlichen Wesens zu verhelfen.

Als Mensch erkenne ich im Irdischen etwas Neues, indem ich es anschaue, berühre, messe, wiege, etc. und, die Sinneseindrücke zusammenfassend, mich dem Neuen erkenntnismäßig versuche zu nähern. Geistige Inhalte werden in den Fenstern des Goetheanum in bildlicher Form dargestellt und sie erhalten Ergänzungen in dem gesamten architektonischen Bau, dem plastischen Ausgestalten und dem malerischen Farbenmeer der Kuppeln und regen so den Betrachter an durch verschiedene künstlerische Mittel sich den Inhalten der Geisteswelten zu nähern.

Die kurzen Hinweise zu den Neunzehn Lehr-Stunden der Michaelschule geben dem in der Anthroposophie erfahreneren Menschen noch eine weitere, intensive Möglichkeit der Vertiefung in die Hand. Die Meditationen dieser von Erzengel Michael selber gewollten Schule, sind Situations-Meditationen, d.h. es wird erwartet, dass der Interessierte sich selber innere Situations-Bilder zu den Worten formen lernen möge. Die Vorübung dazu kann diese Fensterbetrachtung bieten.

Solch innere aktive Betätigung möchte diese vorliegende Arbeit anregen, denn das Hin – und Herschauen zwischen den Fenstern bringt die Geist-Seele in Bewegung und somit auch näher der Erkenntnis über die Wahrheit über sich selbst und seiner Aufgabe als Mensch in der Gegenwart.

 

Das Erste Goetheanum in Dornach, Schweiz, Foto von 1922

  1. Kapitel

Das Erste Goetheanum

Und dasjenige, was in den Ideen der Anthroposophie lebt, das ist geradeso, wie es bei den älteren Kulturen der Fall war, eben einer URQUELLE entsprossen. Und es kann, genauso, wie dasjenige, was Anthroposophie in Worten durch den Menschenmund zu verkündigen hat, genauso wie das als Lehre gegeben werden kann, es kann genauso auf der anderen Seite für die unmittelbare künstlerische Anschauung dasjenige gegeben werden, was aus den Quellen heraus fließt, aus denen auch die anthroposophischen Ideen fließen. Es ist nicht eine Übersetzung oder Umsetzung anthroposophischer Ideen in Kunst, um die es sich da handelt, sondern es ist ein anderer Zweig, der aus derselben Lebensquelle heraus… als Kunst sich entwickeln kann.

„Dasjenige, was Anthroposophie ausleben soll, beruht ja darauf, dass gewissermaßen eine höhere Wesenheit im Menschen, die aber der Mensch selber ist, zu demjenigen Menschen redet, der im gewöhnlichen Leben lebt, das zwischen Geburt und Tod abläuft. Indem ich das durchempfand, ergab sich mir als die notwendige Bau-Umhüllung für diesen Grundimpuls anthroposophischer Weltanschauung der Zweikuppel-Bau.

In der Kleinen Kuppel ist gewissermaßen äußerlich-physisch zusammengedrängt, dasjenige, was innerlich groß und weit ist; in dem Großen Kuppelraum ist dasjenige geweitet, was innerlich weniger weit ist, was innerlich dem Leben angehört, das wir eben zwischen Geburt und Tod führen. Und wenn im Sinne einer solchen anthroposophischen Weltanschauung der Mensch diesen Bau betritt, so muss er seine eigene Wesenheit finden… Und er muss, indem er sich als Mensch, als Mikrokosmos nicht beengt fühlte durch den Bau, sondern durch die ganze Bauformen mit dem Universum, mit dem Makrokosmos in einer äußerlichen Verbindung wäre. Wenn man aber den Bau von außen anschaut, so muss man das Gefühl haben: da drinnen geht etwas vor, was zu dem irdischen Dasein ein Überirdisches, ein Außerirdisches dazu bringt, da drinnen geht etwas vor, was im Irdischen selbst verborgen ist.“[2]

Dieses Erste Goetheanum, finanziert von Spenden der Mitglieder ist ein Holzbau auf geformten Betonsockel. Der Holzbau wurde von Künstlern und Mitgliedern geschnitzt und ausgemalt während in Europa der 1. Weltkrieg tobte.

Der Bau fiel einem Brandanschlag zum Opfer in der Sylvesternacht 1922/23.

  1.  Kapitel

Das heutige Goetheanum

 

…“Was wir in der Nordschweiz das Goetheanum nennen, in dem geschaffen wurde eine MYSTERIENSTÄTTE, in der in ähnlicher Weise der Mensch einen Weg ins Übersinnliche finden sollte auf moderne besonnene Art,  wie er in alten Zeiten auf mehr instinktive Art einen Weg in die Mysterien gefunden hat. Feinde haben uns diese Stätte entrissen. Sie ist vor einiger Zeit durch Brandstiftung zugrunde gegangen. Auch diese Dinge haben ihre Ewigkeit. Das physische Feuer konnte uns den physischen Bau, das Goetheanum nehmen… Allein es gibt auch ein geistiges Feuer. Dieses geistige Feuer verbrennt keine physischen Stätten, sondern wird sie immer wieder erstehen lassen. Still und nicht so geräuschvoll wie in den alten Mysterien werden in den neuen Mysterien die Schüler der spirituellen Weisheit sich nähern, die wiederum den Menschen die ihnen so notwendige Kunde vom Ewigen des Menschen und der Welt bringen. Denn der Mensch braucht sie für sein Denken, Fühlen und Wollen, damit er in sich zur Klarheit, zu einem harmonischen Leben komme, damit er auch Kraft und Sicherheit für das äußere Leben gewinne. Er braucht die Verbindung mit der spirituellen Welt… damit er den Geist der neuen Mysterien… finden werde, aber … auf eine entwickeltere, vollkommenere Art und durch die Mysterien wiederum in eine geistige, göttliche Welt und damit zum Quell der Menschheit geführt werden könne.“[3]

 

Von den Versicherungsgeldern wurde dieser zweite Bau errichtet. Rudolf Steiner konnte selber noch den Entwurf für

[1]Der Meditationsweg der Michaelschule“ von Rudolf Steiner, herausgegeben von Thomas Maier im Perseus Verlag, Basel. Diese esoterische Schule wurde auch „Freie Hochschule für Geisteswissenschaft“ von Rudolf Steiner genannt und war vor 100 Jahren als innerer Schulungsweg für die Mitglieder der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ gedacht. Heute bietet das Internet alle Texte jedem Sucher - und entsprechend sinnvoll ist es, nun die Inhalte auch offen einzubeziehen in Betrachtungen solcher Art, wie hier.

[2] Aus: GA 77b, Rudolf Steiners einleitende Worte zu einem Lichtbildervortrag über das Erste Goetheanum, Dornach, 27. August 1921

[3] Rudolf Steiner aus dem Vortrag vom 26. Mai 1924 in Paris, aus GA 84

***

Hier entsteht die Seite "Die Fenster des Ersten Goetheanum".

Die unterschiedlichen Strahlen im Rosa Fenster, Nord

Dieses Fenster wird benannt „WACHEN“ in der Übersicht der Fenster, ist also eine Aufforderung, bewusst wach zu sein.

Im linken Teil des dreigeteilten Fensters sehen wir einen Luzifer, dessen Flügel sich nicht mehr stolz aufbauschen, sondern der in Demut seinen Kopf neigt dem helfenden Heiler gegenüber.

Luzifers eigne Strahlen hinunter auf die Erde sehen ungleichmäßig aus, wackelig – im Verhältnis zu dem Urbild von Geistesstrahlen, die im mittleren Fenster auftauchen als Geistessonne über dem Antlitz des Christus im Ätherreich. Dieses neue Wesen, einem Engel gleich, neigt sich zu dem Menschen aus dem Pflanzenbusch heraus – ihn liebend aufnehmend, sich verströmend hin-schenkend.

Die fest zementierten rohrartigen Strahlen des Ahrimans im rechten Fenster sind zu Knoten verschlungen und halten diesen gefangen. Seine Art, das Geistige festzuhalten, bewirken eine Erstarrung für ihn und seine Umgebung. Auch hier hilft der Heiler, der ihm bewusst begegnet und so die Knoten lösen kann.

 

Das Rosa Fenster, Nord. „Wachen“,

nach original Skizze von Rudolf Steiner durch Tatjana Kisseleff

 

Auffallend sind die jeweils drei Kreuze – für Luzifer unter sich, für Ahriman über sich – die zeigen, dass sie auf eine Durchchristung hoffen aber im Moment noch unerlöst sind.

Im mittleren Fenster geschieht die Weiter-Entwicklung des Menschen, der seine ihn ständig begleitenden beiden Doppelgänger hinter sich hat. Der luziferische hat eine lange, schmale Gestalt mit spitzen Flügeln nach oben. Der ahrimanische Doppelgänger ist kleiner und dunkler als der Mensch.

Der Mensch, der den Christus aufgenommen hat, der Ihn in der Natur nun sucht, kann Ihn dort finden, wenn er bittend seine Hände ausstreckt, um Ihn zu empfangen.

Die Geistessonne des Christus leuchtet in geraden, sich verbreiternden Strahlen, sich hingebend – nicht egoistisch an sich haltend, wie im rechten oder linken Fenster.

 

 „So wird er fromm“ steht links für Luzifers Verhalten dem durchchristeten Menschen gegenüber.

„Die Welt weht Frommsein“ so ist der Titel unter dem mittleren Fenster. Es ist die irdische und zugleich durchgeistigte Welt gemeint, die durch ihr Frommsein heilend auf den Menschen wirken kann.

 „Die Frommheit wirkt“, heißt es rechts, wo die gelebte Frommheit liebevoll die zu festen ahrimanischen Strukturen auflöst – erlösen kann durch den Menschen, der mit seinen eigenen Doppelgängern in ein Gleichgewicht kommt durch die Hilfe des Christus im Ätherreich.

In der 14. Klassenstunde der Michaelschule werden diese unterschiedlichen Verhaltensweisen deutlich in den Meditationen dargestellt, in denen man auf die Fragen des Hüters der Schwelle die Antworten dieser drei Geistgestalten hört – und so lernen kann zu wählen, auf welche Stimme man hören möchte. Nur Wachheit gegenüber diesen Wesen gegenüber kann dem Menschen und der Erde weiterhelfen.