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  Von den Quellen der EURYTHMIE
 

Hier entsteht die Seite "Von den Quellen der EURYTHMIE".

Kurze, prägnante Textstellen aus Rudolf Steiners Werk werden hier zusammen getragen, um das Verständnis zu beleben, welches die Vertiefung mit dem Kunstimpuls Rudolf Steiners einem geben kann, der seine Ausgestaltung durch die Aufgabenstellung erhielt, einen BAU FÜR DIE MYSTERIENDRAMEN ZU BAUEN. Das ERSTE GOETHEANUM entstand und all die Künste entwickelten sich dabei, die es dazu brauchte, um eine Heimstätte für die Anthroposophie so zu gestalten, dass Form und Inhalt zueinander passten.

Es ist das der vorläufige Beginn zu einem Buch.

1.) 

Das Erste Goetheanum

Aus: GA 77b, Rudolf Steiners einleitende Worte zu einem Lichtbildervortrag über das Erste Goetheanum, Dornach, 27. August 1921:

               „ Und dasjenige, was in den Ideen der Anthroposophie lebt, das ist geradeso, wie es bei den älteren Kulturen der Fall war, eben einer URQUELLE entsprossen. Und es kann, genauso, wie dasjenige, was Anthroposophie in Worten durch den Menschenmund zu verkündigen hat, genauso wie das als Lehre gegeben werden kann, es kann genauso auf der anderen Seite für die unmittelbare künstlerische Anschauung dasjenige gegeben werden, was aus den Quellen heraus fließt, aus denen auch die anthroposophischen Ideen fließen. Es ist nicht eine Übersetzung oder Umsetzung anthroposophischer Ideen in Kunst, um die es sich da handelt, sondern es ist ein anderer Zweig, der aus derselben Lebensquelle heraus… als Kunst sich entwickeln kann.

„Dasjenige, was Anthroposophie ausleben soll, beruht ja darauf, dass gewissermaßen eine höhere Wesenheit im Menschen, die aber der Mensch selber ist, zu demjenigen Menschen redet, der im gewöhnlichen Leben lebt, das zwischen Geburt und Tod abläuft. Indem ich das durchempfand, ergab sich mir als die notwendige Bau-Umhüllung für diesen Grundimpuls anthroposophischer Weltanschauung der Zweikuppel-Bau.

In der Kleinen Kuppel ist gewissermaßen äußerlich-physisch zusammengedrängt, dasjenige, was innerlich groß und weit ist; in dem Großen Kuppelraum ist dasjenige geweitet, was innerlich weniger weit ist, was innerlich dem Leben angehört, das wir eben zwischen Geburt und Tod führen. Und wenn im Sinne einer solchen anthroposophischen Weltanschauung der Mensch diesen Bau betritt, so muss er seine eigene Wesenheit finden… Und er muss, indem er sich als Mensch, als Mikrokosmos nicht beengt fühlte durch den Bau, sondern durch die ganze Bauformen mit dem Universum, mit dem Makrokosmos in einer äußerlichen Verbindung wäre. Wenn man aber den Bau von außen anschaut, so muss man das Gefühl haben: da drinnen geht etwas vor, was zu dem irdischen Dasein ein Überirdisches, ein Außerirdisches dazu bringt, da drinnen geht etwas vor, was im Irdischen selbst verborgen ist.“

 

Rudolf Steiner aus dem Vortrag vom 26. Mai 1924 in Paris, aus GA 84:

…“Was wir in der Nordschweiz das Goetheanum nennen, in dem geschaffen wurde eine MYSTERIENSTÄTTE, in der in ähnlicher Weise der Mensch einen Weg ins Übersinnliche finden sollte auf moderne besonnene Art,  wie er in alten Zeiten auf mehr instinktive Art einen Weg in die Mysterien gefunden hat. Feinde haben uns diese Stätte entrissen. Sie ist vor einiger Zeit durch Brandstiftung zugrunde gegangen. Auch diese Dinge haben ihre Ewigkeit. Das physische Feuer konnte uns den physischen Bau, das Goetheanum nehmen… Allein es gibt auch ein geistiges Feuer. Dieses geistige Feuer verbrennt keine physischen Stätten, sondern wird sie immer wieder erstehen lassen. Still und nicht so geräuschvoll wie in den alten Mysterien werden in den neuen Mysterien die Schüler der spirituellen Weisheit sich nähern, die wiederum den Menschen die ihnen so notwendige Kunde vom Ewigen des Menschen und der Welt bringen. Denn der Mensch braucht sie für sein Denken, Fühlen und Wollen, damit er in sich zur Klarheit, zu einem harmonischen Leben komme, damit er auch Kraft und Sicherheit für das äußere Leben gewinne. Er braucht die Verbindung mit der spirituellen Welt… damit er den Geist der neuen Mysterien… finden werde, aber … auf eine entwickeltere, vollkommenere Art und durch die Mysterien wiederum in eine geistige, göttliche Welt und damit zum Quell der Menschheit geführt werden könne.“

 

2.

Der BAU  und die Brandkatastrophe

Rudolf Steiner, aus dem Vortrag vom 2. April in Basel 1923, aus GA 84

„Was Anthroposophie künstlerisch im Goetheanum hat leisten wollen, das sollte eben hervorgehen aus denselben Impulsen, aus denen auch das gesprochene Wort, der Gesang hervorgeht. Trat man auf das Podium, so waren die Formen der Säulen, die ganze Form der Innenarchitektur, der Innenplastik und der Innenmalerei, alles das war  wie eine Mahnung, die Worte in einem Sinne zu halten, der an das Wesen des Menschen wirklich heran ging. Es war eine fortwährende Aufforderung an den Redner, in würdiger Weise sein Wort hineinzustellen in diesen Raum.

            Also eine äußere Umhüllung für die Anthroposophie, die ganz aus dem Geiste der Anthroposophie heraus, aber für das sinnliche Anschauen da war, sollte der Bau sein. Da war nichts Symbolisches, nichts Allegorisches. Der ganze Bau war so geschaffen in seiner ARCHITEKTUR, in seiner PLASTIK, in seiner MALEREI, in allem, was an ihm war, dass dasjenige, was lebendig in der Geistesschau ergriffen wurde, sich auslebte… Was man an lebendigen Ideen, an bewegten innerlichen Gedanken über die geistige Welt hatte, das lebte sich aus in der unmittelbaren künstlerischen Empfindung, in der unmittelbaren Anschauung.

            Und so war der Bau für das Auge, was Anthroposophie für die Seele des Menschen sein soll. Sie soll ja sein diejenige Geistesart, welche erkennt, wie die Sehnsucht nach einer Erschließung des Übersinnlich-Geistigen die gegenwärtige Menschheit durchzittert und durchzuckt… Anthroposophie will der Gegenwart dienen, um in der rechten Weise dem zu dienen, was die Menschen von dieser Gegenwart aus in die Zukunft hinein brauchen.“

Die schreckliche Brandkatastrophe der letzten Silvesternacht (1922/23)

„Das Goetheanum, es konnte abbrennen. Eine Schicksal-Katastrophe hat es hinweggenommen. Der Schmerz derjenigen, die es lieb gehabt, ist wegen seiner Größe nicht zu schildern. Dasjenige, was aus denselben Quellen, aus denen die Anthroposophie fließt, und durch sie der Menschheit dienen will, für das sinnliche Auge geschaffen werden musste, das musste aus physischem Stoff geformt werden. Und wie der menschliche Leib selber das sinnliche Abbild und die sinnliche Wirkung des ewig Geistigen ist, dann aber mit dem Tode abfällt, so dass sich das Geistige in anderer Form entwickelt, so konnte auch dasjenige, was aus Stoff geprägt werden musste, von den physischen Flammen verzehrt werden.

            Das aber, was Anthroposophie soll, ist aus dem Geiste heraus gebaut; über das können nur Flammen des Geistes kommen… Was als Anthroposophie da sein soll zur Weiterentwicklung der Menschheit, das ist aus dem Geiste heraus gebaut, das wird durch die Flammen des geistigen Lebens nicht aufgezehrt, nicht getötet. Die Flammen des geistigen Lebens sind nicht verzehrende Flammen, sie sind verstärkende Flammen, sie sind Flammen, die erst recht Leben geben. Und dasjenige Leben, das als Erkenntnisleben der höheren Welt durch Anthroposophie sich offenbaren soll, das muss durch die Flammen höchster menschlicher, seelischer und geistiger Begeisterung gehärtet werden. Dann wird Anthroposophie sich wandeln… Der Geist wird doch immer über den Stoff siegen und sich immer neuerdings in Stoff verwandeln.“

 

3. 

Die Anthroposophie als innerer Kern

des Ersten Goetheanum

Rudolf Steiner, aus Vortrag vom 9. April 1923, GA 84

 

„Im Dornacher Goetheanum wollte zunächst die Anthroposophie gepflegt werden… Man muss inniger verbunden werden mit dem ganzen Menschen, wenn man aussprechen will, was man im Reich des Geistes erlebt. In der goetheschen Betrachtung wird der Gedanke so lebendig, dass dann versucht wird, ihn zu verstärken… Goethe war auch diejenige Persönlichkeit, welche die Brücke hinüber gebaut hat von dem Erkennen zur Kunst.

Er hat aus seiner künstlerischen Überzeugung das schöne Wort gesprochen: Die Kunst ist eine Offenbarung geheimer Naturgesetze, die ohne diese Kunst niemals offenbar würden. – Das heißt: Goethe wusste, in der wirklichen Erkenntnis ergreift man geistiges Walten und Weben, das man dann dem Stoff einpflanzt, sei es als Plastiker, sei es als Musiker, sei es als Maler. Er wusste, wie die Phantasie eine Art willkürliche Projektion desjenigen ist, was der Mensch in seiner reinen Gestalt mit dem Geiste erleben kann.

Solche Erkenntnis, die so im Leben des Geistes wurzelt, … die strömt von selbst auch in das künstlerische Schaffen ein. Sie wirkt in das künstlerische Schaffen hinein, wenn man den Menschen auf die Art erkennt,… dass man die vorirdischen Kräfte hineinspielen sieht in sein irdisch-leibliches Dasein. - … Der Mensch ist von der Natur als ein Kunstwerk geschaffen. …Weil Anthroposophie dieser Gesinnung auch ist, musste eine ganz andere (als die normale) Anschauung und Lebensauffassung und Kunstauffassung zugrunde liegen (dem Bau des Ersten Goetheanum). …

Wie der Nusskern aus denselben Bildungsgesetzen entsteht wie die Schale, so musste der äußere sichtbare Bau in seinen Formen, in dem, was gemalt wurde in den Kuppeln, in dem, was sonst plastisch hineingestellt wurde, nach denselben Gesetzen, gewissermaßen wie die Schale dessen gebildet werden, was drinnen durch das Wort, durch die gesprochene oder gesungene Kunst verkündet worden ist. Wie die Nussschale zur Nuss, so musste sich dieser Bau verhalten zu dem, was drinnen gepflegt worden ist.“

„Wir haben Eurythmie-Vorstellungen gehabt, Vorstellungen aus DER Kunst, die in der Bewegung eine besondere Sprache hat, wo das Bühnenbild in bewegten Menschen oder Menschengruppen besteht, und die Bewegungen nicht Tanzbewegungen und nicht mimische Bewegungen sind, sondern eine wirklich sichtbare Sprache, wir haben da eine ausdrucksvolle Bewegungskunst entwickelt auf der Bühne des Goetheanum. Die Linien, in denen die menschliche Seele sich ausgelebt hat in der eurythmischen Kunst, sie harmonisierten sich in einer schönen Weise mit den Linien an den ARCHITRAVEN, den Linien an den KAPITÄLEN der SÄULEN, mit der FORM des ganzen BAUES, mit der MALEREI des Baues. Was darin gepflegt wurde, und die äußere Umhüllung waren eins. Wenn vom Podium aus gesprochen wurde, wenn dasjenige, was in geistiger Anschauung erkannt worden war, in Worte geprägt wurde und in den Zuschauerraum hineintönte, so war das, was man vom Podium aus sprach, der KERN; das, was im Innern lebte. Die künstlerische Form musste dem Kern entsprechen. Der BAUSTIL in allen seinen Einzelheiten musste aus demselben Impuls, aus denselben Quellen hervorgehen wie die Anthroposophie selbst. Denn die Anthroposophie ist keine abstrakte theoretische Erkenntnis, sondern ein Ergreifen des Lebens, des vollen Lebens. Sie wird daher von selbst zur KUNST. Sie erfüllt, was wiederum Goethe gesagt hat: „Wer Wissenschaft und Kunst besitzt, hat auch Religion, wer jene beiden nicht besitzt, der habe Religion.“

 

4. 

Welche Herausforderungen sind wir in unserer Zeit ausgesetzt?

Rudolf Steiner, Vortrag vom19. 11. 1917 in Dornach, aus GA 178

 

„In dem Augenblicke, wo man die Schwelle überschreitet und dasjenige, was zur Wirklichkeit gehört, auch zur Naturerklärung heranzieht – die elementaren Geister oder die Beeinflussungen der Menschenseelen, in dem Augenblicke… muss man sich klar machen, dass man es  mit dem Hereinwirken einander bekämpfender oder einander tragender, einander verstärkender Individualitäten zu tun hat.

            In der elementaren Welt finden wir Geister der Erde, gnomenhafter Wesen; Geister des Wassers, undinenhafte Wesen; Geister der Luft, sylphenhafte Wesen; Geister des Feuers, salamanderartige Wesen. Ja, sie sind nicht so, dass sie alle ein einheitliches Regiment bilden würden. So ist das nicht. Sondern diese verschiedenen reiche: Gnomen, Undinen, Sylphen, Salamander, sie sind in einer gewissen Weise selbstständig… sie bekämpfen auch einander. Ihre Intentionen haben nichts mit einander zu tun von vorneherein, sondern, was entsteht, entsteht durch das verschiedenartigste Zusammenwirken der Intentionen.“

 

            Es ist schon für die Menschheit die Aufgabe dieses Zeitraumes, sich mit dem Bösen als Impuls der Weltenentwicklung auseinander zu setzen. Es ist nicht anders möglich, als dass die Kräfte, welche, wenn sie am schlechten orte als das Böse auftreten, durch die Anstrengung des Menschen im fünften nachatlantischen Zeitraum für die Menschheit erobert werden, so dass sie mit diesen Kräften des Bösen etwas Günstiges für die Zukunft der ganzen Weltentwicklung anzufangen in der Lage ist. Dadurch wird die Aufgabe dieses Zeitraumes eine besonders schwierige. Denn eine große Anzahl von Versuchungen steht der Menschheit bevor. Und wenn so nach und nach die Gewalten des Bösen erscheinen, dann ist natürlich der Mensch unter Umständen viel mehr geneigt, sich diesen Bösen auf allen Gebieten zu überlassen, als dass er den Kampf aufnimmt, um dasjenige, was ihm als Böses erscheint, in den Dienst der guten Weltentwickelung zu stellen. Und dennoch, dieses MUSS geschehen; es muss das Böse bis zu einem gewissen Grade in den Dienst der guten Weltentwickelung gestellt werden. Ohne dieses könnte nicht eingetreten werden in den sechsten nachatlantischen Zeitraum, der eine ganz andere Aufgabe haben wird, der die Aufgabe haben wird, die Menschheit leben zu lassen, trotzdem sie mit der Erde noch zusammenhängt, vor allen Dingen in einer  fortdauernden Anschauung der  geistigen Welt, in geistigen Impulsen. Gerade mit dieser Aufgabe gegenüber dem Bösen im fünften nachatlantischen Zeitraum hängt es zusammen, dass eine gewisse Art von persönlicher Verfinsterung für die Menschen eintreten kann.“

            „Seit dem Jahre 1879 wandeln die …Geister der Finsternis, die dem Reich der Angeloi angehören, im Menschenreich selber, weil sie aus der geistigen Welt in das Menschenreich herabgestoßen worden sind und nun in den menschlichen Impulsen drinnen vorhanden sind. Und der Mensch durch die hereinspielenden Kräfte des Bösen abgehalten ist davon, das Spirituelle mit der Vernunft anzuerkennen… und sich finsteren Irrtümern hingibt…. Das Herunterfließen von spiritueller Weisheit können sie fortan nicht verhindern; aber Verwirrung können sie fortan stiften, die Seelen können sie verfinstern.“

            Im vierten nachatlantischen Zeitraum haben die Menschen begreifen können, dass sie in dem Christus-Impuls etwas haben, was sie über den Tod hinausführt als Seelen ;… im fünften  Zeitraum werden die Menschenseelen erkennen, dass sie in dem Christus den Helfer haben, um die Kräfte des Bösen in Gutes umzuwandeln.

 

5. 

Wie erlangt man Imagination, Inspiration und Intuition?

Aus Rudolf Steiners Vortrag vom 26. Mai 1924 in Paris, GA 84

 

 

„Die ganze Einstellung des Menschen muss anders werden, wenn der Mensch in die übersinnliche Welt eintreten will. Er muss als erstes sein Denken aktivieren. Ich habe nach einem alten Gebrauch dieses Aktivieren des Denkens „MEDITATION“ genannt. Sie besteht darin, dass wir nun ganz und gar uns nicht hingeben an unser Denken, an irgendein Objektives, sondern dass wir aus der inneren Kraft unseres Seelenlebens einen übersinnlichen Gedankeninhalt möglichst einfacher Art in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins stellen, und durch eine gewisse Zeit hindurch, die ganze Aufmerksamkeit der Seele auf diesen seelischen Inhalt richten.

Indem so mit unserer ganzen Seele aktiv ruhen auf einem Seeleninhalte, tritt mit den Seelenkräften etwas ein,… was diese verstärkt und erkraftet. Übersinnlich muss der Inhalt sein aus dem Grunde, weil er nichts enthalten darf, was aus dem Unbewussten kommen kann. … Alle Abstraktheit und alle Kälte schwindet aus unserem Denken. Das Denken wird ganz bildlich. Wir gewinnen die Fähigkeit, in gesättigten, bis zum Farbigen sich sättigenden Bildern zu denken… Diese erste Stufe der Erkenntnis des Übersinnlichen sei genannt die IMAGINATIVE Erkenntnis… Dieses Bilddenken taucht nicht unter in die Körperlichkeit. … Man hat gelöst von dem physischen Leibe einen zweiten Menschen und man kann dann sagen: Ich erlebe mich als Mensch nicht nur im physischen Leibe, ich erlebe mich als Mensch in einem ätherischen Leibe, in einem Leibe von feinerer Substantialität. … Die erste neue Welt, die man wahrnimmt, ist die Welt des eigenen letzten Erdenlebens. In einem mächtigen Tableau, majestätisch dastehend, alles dasjenige, was der Zeit nach hintereinander war – gleichzeitig wie in einem Panorama -, steht unser Erdenleben von dem gegenwärtigen Zeitpunkt, in dem wir leben, durch Rückblick bis zur Geburt vor uns….

Will man eine zweite Erkenntnisstufe im Innern der Seele entwickeln, … so muss man…, nachdem wir auf der ersten Erkenntnisstufe das Denken aktivieren, erkraften mussten, damit wir uns erfassen und ergreifen in unserem ätherischen Leibe, zur zweiten Erkenntnisstufe alles, was wir in dieser Weise an erkraftetem Denken gewinnen, wiederum aus unserem Bewusstsein fortschaffen… Es ist schwerer, diesen Inhalt wegzuschaffen, als den Inhalt des gewöhnlichen Bewusstseins. Wenn es uns aber gelingt, ihn wegzuschaffen, so ist etwas eingetreten, was sonst nie da ist. Im menschlichen Seelenleben ist dann eingetreten eine völlige Leerheit des Bewusstseins… Schafft er nun sein eigenes Lebenstableau weg, dann wird sein Bewusstsein leer und wir sind in jenem Zustand, der bedeutungsvoll ist für alle höhere Erkenntnis: Wir sind in dem Zustand des bloßen Wachens, ohne dass dieses Wachen einen Seeleninhalt hat. …Wir schlafen nicht ein,… sondern bleiben wach, aber wir stehen zunächst wie für einen Augenblick dem Nichts gegenüber. Das bleibt nicht lange. Wenn wir also wirklich leeres Bewusstsein gehalten haben, dann dringt eine geistige Welt in uns ein, die nicht unser Ätherleib ist, nicht dasjenige, was mit ihm verwandt ist, sondern eine nun zunächst ganz fernstehende geistige Welt ist… Kommt man zu dieser Inspirierten Erkenntnis, so erlebt man gewissermaßen noch einen dritten Menschen.

So steigt der Mensch auf durch die imaginative Erkenntnis zu der Ansicht dessen, was lebt zwischen Geburt und Tod. Es steigt der Mensch auf… zu seinem ätherischen Leibe. Die inspirierte Erkenntnis führt den Menschen zu seinem astralischen leibe und er tritt dadurch in diejenige Welt, die er durchgemacht hat vor seiner Geburt, in die er wiederum eintritt nach dem Tode… Beim Aufstieg zur Intuitionserkenntnis lernt man das vierte Glied der Menschenwesenheit kennen, das wahre, ewige Ich, das von Erdenleben zu Erdenleben geht und das zwischen dem einzelnen Erdenleben rein geistige Daseinsformen hat.“

Weitere Literatur: Rudolf Steiner: „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“, GA 10; Tb 600; „Die Geheimwissenschaft im Umriss“, GA 13, Tb 601; „Das Initiaten-Bewusstsein. Die wahren und die falschen Wege der geistigen Forschung“, GA 243, Tb 758; „Anweisungen für eine esoterische Schulung“, Sonderband.

 6.

Die Eurythmie I

Wahrscheinlich hätte die Eurythmie nicht ohne die ARBEIT AM BAU (Erstes Goetheanum) gefunden werden können. Vor dem Baugedanken war sie nur in ihren ersten Anfängen vorhanden.“

 (Rudolf Steiner in: Das Goetheanum in seinen 10 Jahren)

 

     „Die Eurythmie ist ein Künstlerisches, das aus bisher ungewohnten künstlerischen Quellen schöpft und sich auch einer ungewohnten künstlerischen Formensprache bedient… Die Eurythmie soll eine wirklich sichtbare Sprache sein, und zwar eine sichtbare Sprache, die gewonnen ist aus den sinnlich-übersinnlichen Beobachtungen der menschlichen Organisation selbst… Und wie der Laut, oder auch beim Singen der Ton, aus dem menschlichen Inneren gesetzmäßig hervorquillt, so soll auch dasjenige aus dem menschlichen Inneren, aus dem Inneren der menschlichen Organisation kommen, was als eurythmische Kunst auftritt….

(aus einer Ansprache zur Eurythmie-Aufführung in Dornach, 24. August 1921)

 

„Die Welt der Formen beherrscht den physischen Leib, die Welt der Bewegung beherrscht den Ätherleib. Es müssen nun Bewegungen gefunden werden, die dem Ätherleib eingeboren sind. Es muss der Mensch angeleitet werden, dasjenige in Gesten und Bewegungen des physischen Leibes zum Ausdruck zu bringen, was dem Ätherleib natürlich ist…. Das wird in der Eurythmie versucht.

    (Rudolf Steiner, Dornach, 7. Oktober 1914, GA 227a)

 

            „Derjenige, der sich in die eigentliche Wesenheit der Eurythmie vertieft, kann auch wissen, dass in ihr unbegrenzte Möglichkeiten liegen… Wem die menschliche Wesenheit selbst in ihrer Gestaltung und in ihrer Bewegung ihr Geheimnis zu enthüllen beginnt, der empfindet die größte Sehnsucht darnach, dasjenige, was innerlich an Bewegungsmöglichkeiten, an eurythmischen Möglichkeiten in dieser Gestalt liegt, auch sichtbar für das Auge zu offenbaren.

            Wenn Goethe an sagt: wenn der Mensch auf den Gipfel der Natur gestellt ist, sieht er sich wiederum als eine ganze Natur an, nimmt Ordnung, Harmonie, Maß und Bedeutung zusammen, um sich zur Produktion des Kunstwerkes zu erheben. So darf gesagt werden in Hinblick auf die Eurythmie: Diese Eurythmie bedient sich nicht eines äußeren Werkzeuges, sondern des Menschen selbst, und im Menschen liegen alle Weltgeheimnisse wirklich verborgen. Holt man sie heraus aus ihm, so ist die Offenbarung dieser Menschengeheimnisse, dieser mikrokosmischen Geheimnisse, eine Offenbarung der makrokosmischen Geheimnisse.

            Die Eurythmie bedient sich des Menschen selbst als ihres Werkzeuges, nimmt aus dem Wesen des Menschen Ordnung, Harmonie, Maß und Bedeutung zusammen und stellt den Menschen selber als ein Kunstwerk hin. Indem sie dies unternimmt, müssen in ihr unbegrenzte Entwicklungsmöglichkeiten liegen, denn wenn der Mensch selbst als Werkzeug für künstlerische Darstellung genommen wird, so ist dies jedenfalls das würdigste Werkzeug. (aus einer Ansprache zur Eurythmie-Aufführung in Dornach, 24. August 1921)

 

Es wird sich herausstellen, dass der Mensch in seinen Bewegungen wirklich ein Zwischenglied zwischen den kosmischen Buchstaben, den kosmischen Lauten ist und dem, was wir gebrauchen in den menschlichen Lauten und Buchstaben unserer Dichtungen. Eine neue Kunst wird entstehen in der Eurythmie. Diese Kunst ist für jeden Menschen. Und man möchte, dass die Menschheit ergriffen würde von Verständnis für diese Kunst…

Ich habe in vieler Beziehung schon gesprochen von dem Verhältnis des großen Rundbaues zu dem kleinen… Nun könnte man fragen: Wie gehen die kleinen Formen aus den großen in unserem Dopple-Kuppelbau hervor? Die Antwort ist: Es versuche jemand nach eurythmischen Gesetzen die Formen des großen Baues tanzen zu lassen, dann werden die Formen des kleinen Baues daraus. Man versuche, sich vorzustellen, es vereinige ein Mensch alles das in seinen eurythmischen Bewegungen, was im großen Rundbau zum Ausdruck kommt, und tanze hinein in den kleinen Raum und strahle von dort aus, was er tanzt: dann würde die Zwölfheit der Säulen und die Kuppel von selber daraus.

Dann hoffe ich, dass noch etwas eurythmisch tanzen wird im Bau, unsichtbar: Das WORT. Das wird eine gute Akustik geben.“ (Rudolf Steiner, Dornach, 7. Oktober 1914, GA 227a)