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Neubeginn statt Weltuntergang

Mo, 31 Dez 2012 | Von NNA-Korrespondentin Edith Willer-Kurtz

 

Der 21. Dezember mit dem Ende des Mayakalenders und den verschiedenen Endzeitprophezeihungen war vor Weihnachten in aller Munde – aber dann genauso schnell auch wieder aus den Medien verschwunden. Eine Veranstaltung, die sich auf nachhaltigerer Weise mit diesem Datum befasste, fand in Pforzheim statt. NNA-Korrespondentin Edith Willer-Kurtz war dort.

PFORZHEIM (NNA) – Auf Einladung von Heinrich Sandkühler trafen sich am 21. Dezember etwa 50 Personen im Eurythmiehaus, der Schule für Eurythmische Heilkunst zu einem Seminar mit dem Autor, Astronom und Eurythmist Robert Powell. Denkwürdig nicht nur das Datum, sondern auch der Ort: Felix Wilde hat das Gebäude nach einem Entwurf von Rudolf Steiner bauen lassen.

Powell ist Mitbegründer des Instituts Astrosophie und hält Vorträge zu astrosophischen und geisteswissenschaftlichen Themen. Seit 1984 gibt er Kurse in fünf europäischen Ländern, in den USA und in Australien. 1992 entwickelte er außerdem den kosmischen Tanz und den sakralen Tanz mit eurythmischen Gebärden.

Powell erklärte sein Anliegen so: Die Choreocosmos-Schule wende sich an jeden Interessierten, der sich den wesenhaften Kräften annähern möchte, die durch die Planeten und den Tierkreis bis in die Erdenverhältnisse, in die Pflanzen- und Tierwelt und auch auf uns Menschen wirken. In den Übungen der Seminare können die Teilnehmer Powells kosmischen Tanz erleben, um sich den hohen geistigen Wesenheiten, die die Wirklichkeiten hinter den Planeten und Tierkreiszeichen bilden, zu nähern. Bereichert mit ausgewählten Musikstücken der klassischen Musik leitet Powell einen sakralen Tanz an, der in Resonanz zu den kosmischen Schwingungen als eine Art Meditation erlebt werden kann. Eine starke Belebung und Harmonisierung setze ein, erläutert Powell den Teilnehmern, außerdem ein gemeinschaftsbildendes Erleben, das auch als Gegengewicht zu den negativen Wirkungen unseres technischen Zeitalters gesehen werden könne.

Rudolf Steiner hat der Menschheit unter anderem den Impuls gegeben, durch eine neue Sternenweisheit (Astrosophie) und durch die kosmischen Gebärden der Eurythmie sich wieder mit dem geistigen Gehalt des Kosmos zu verbinden. Steiners Geschenk an die Menschheit war die Begründung einer neuen Form sakraler Bewegung – der Eurythmie. Sie wirkt als Stärkung der Lebenskräfte und öffnet den Menschen für die Vereinigung mit dem Wesen des Christus, dem Träger göttlicher Liebe und unermesslicher Barmherzigkeit.

Powells Vorträge handeln außerdem von der Wiederkunft des Christus im Ätherischen. Die große Veränderung, die mit dem Datum des 21.Dezember verbunden ist, sieht Powell in einer neuen Welle göttlicher Liebe, die nun vom Herzen unserer Galaxie, der zentralen Sonne, einströmen könne: „ Alles in unserer Galaxie wurde von der zentralen Sonne geboren, die das göttliche Herz im Mittelpunkt unserer Galaxie ist.“ Hier zitierte Powell das Johannes-Evangelium mit dem Satz: „Gott ist Liebe“. (1. Joh. 4,8)

Der Schöpfer habe alle Dinge zum Dasein durch göttliche Liebe gebracht, die von der zentralen Sonne ausgehe. Diese Liebe habe sich zuerst auf Erden vor 2000 Jahren offenbart, als für die Menschheit der Weg geöffnet worden sei, einen großen Schritt in die Zukunft zu machen. Dieser Schritt komme innerlich durch die Verwirklichung der Worte „Christus in mir“ zustande, auf ganz neue Weise öffne er sich ausgehend vom 21. Dezember 2012. Vom Ende des Mayakalenders an wirke Christus bei seiner Offenbarung in der Ätheraura der Erde zusammen mit Sophia, die die Weisheit, den göttlichen Plan verkörpere. Powell berichtete von der aktuellen kosmischen Konstellation als Besonderheit zum Datum des 21.12.2012: Die Sonne stehe 5 Grad im Schützen. Die galaktische Sonne stehe in Deszendenten des Zentrum im Schützen.

Das galaktische Zentrum sei eine gewaltige Kraft, aus der alle Sterne geboren seien und die alle von der galaktischen Sonne zusammengehalten würden. Alle umkreisten diese galaktische Sonne. Unsere Sonne brauche 227 Millionen Jahre, um die galaktische Sonne zu umkreisen. Das Sternzeichen Schütze stehe für Bogen und Pfeil, ziele in die Zukunft mit der Feuerkraft des Entschlusses. Christus erwähnte zu seinen Lebzeiten, es würden zu seiner Wiederkunft große Zeichen in der Sternenwelt sein. Zu dem genannten Datum sei eine Aufreihung gegeben gewesen:

Sonne - Erde - Zentrale Sonne. Das bedeute aber nicht nur das Ende des Mayakalenders, sondern einen Neubeginn im Sinn einer neuen Kulturepoche.

Vor diesem Hintergrund wurde der 21. Dezember von den Seminarteilnehmern feierlich im Sinne der Verehrung der kosmischen Konstellationen mit einer Liturgie begangen. Vorher eingeübte kosmische Tänze zu Gebeten in Deutsch, Armenisch und Sanskrit wechselten mit vorgetragenen Texten. Diese Texte erzählten von Christusbegegnungen und Deutungen für die Zukunft.

Gelesen wurden u.a. Texte des russischen Esoterikers und Sophiologen Valentin Tomberg. Tombergs Texte deuten die ätherische Wiederkunft Christus so, dass nicht Freude und Beglückung für die Menschheit eintreten, sondern zunächst ein Schamgefühl in seiner elementaren Form und Kraft den Menschen erfasse, dass ihm alles Schändliche zu Bewusstsein komme. Trost finde er in der Natur, denn sie werde von Neuem mit Hoffnung erfüllt durch die Gegenwart des Christus, so dass die Natur dem Menschen gegenüber wieder Güte, Wohlwollen und Vertrauen ausstrahle. So werde Christus im Ätherischen zunächst in den Naturreichen gegenwärtig und dann im Menschenreich.

Powell betonte, Choreocosmos gebe die Möglichkeit, sich mit dem Wirken des ätherischen Christus und mit Sophia, der göttlichen Weisheit zu verbinden. Er sieht im 21. Dezember einen Wendpunkt, nach dem Kraft und Glorie der Christuswesenheit zunehmend dem Reich der Lebenskräfte der ganzen Erde, dem Reich des Ätherischen zuströmen werden. Das göttliche Licht komme in die Welt in einer Zeit, in der eine geistige Dunkelheit herrschte. Powell schreibt dazu in seinem Buch: „Prophezeiungen Phänomene Hoffnung“, der heilige Geist sei nichts anderes als das beständige Ausströmen der Göttlichen Liebe aus der Zentralen Liebe, die der ganzen Schöpfung zu Grunde liege und die alles hervorgebracht habe.

Powell verglich das jetzige bedeutende Datum mit dem 24. Mai 33, an dem das Christus-Pfingstfest gewesen sei und durch die galaktische Aufreihung Sonne - Erde - Zentrale Sonne ein kosmisches Ereignis. Nach Rudolf Steiner wird das Pfingstfest, das sich vor fast 2000 Jahren ereignete, noch ein Weltereignis werden. Er sprach von diesem Ereignis als dem kommenden Welten-Pfingstfest. Und dieses Welten-Pfingstfest wird ein Ereignis der ausströmenden Göttlichen Liebe für die ganze Menschheit. Ein Hinweis für uns Menschen ist die Vorbereitung auf das Empfangen diese Liebeswoge, indem man sich mit der eigenen Schattenseite auseinander setze. Geschehe das nicht, dann drohe die Gefahr, dass man sich von seiner niederen Natur überwältigen lasse, wenn man dem Licht des Welt-Gewissens (Christus) ausgesetzt sei.

Powells Darstellungen zu den aktuellen Sternenkonstellationen, die Bezüge zu den Ereignissen zu Lebzeiten von Christus und seine Anknüpfungspunkte an Aussagen und Ankündigungen von Rudolf Steiner sowie die Eurythmie und ihre Entwicklung zum sakralen Tanz ermöglichten es den Anwesenden, das Datum des 21.12.2012 als Beginn einer neuen Kulturepoche würdig zu feiern.

END/wil/nna

Bericht-Nr.: 121231-04DE Datum: 31. Dezember 2012 

© 2012 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. 

 

Links:

www.choreocosmos.info

www.astrogeographia.org

www.sophiafoundation

 

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Über Anna Katharina Emmerichs Vison

 

Wie auf Seite 515 (der 1. Auflage) der Chronik des lebendigen Christus beschrieben, gibt es einen hohen Grad von Sicherheit, dass die Daten, die auf den Schauungen der Anna Katharina Emmerich beruhen und in diesem Buch veröffentlicht wurden, exakt sind. Wie im Folgenden gezeigt wird, ist die Ebene der Sicherheit so hoch, dass die Daten als wahr betrachtet werden können:

 

Robert Powells Buch Chronik des lebendigen Christus kam 1996 in Amerika heraus und enthält eine Tag für Tag Biographie des Lebens Christi.[1] Dieses Buch war das Ergebnis einer zehnjährigen Forschung, die Powell an den Aussagen der Anna Katharina Emmerich unternahm. Wie es wohl vielen Lesern bekannt sein wird, erhielt sie mit achtunddreißig Jahren die Stigmata. Dann lebte sie weitere zwölf Jahre ohne zu essen oder feste Nahrung zu sich zu nehmen, außer der Hostie bei der täglichen Kommunion. Gelegentlich trank sie einen Schluck Wasser. Schon seit ihrer frühesten Kindheit lebte sie ständig mit Visionen vom Leben Christi. Das war für sie ganz natürlich. Ihre Schauungen waren so lebendig, als wäre sie physisch bei den Ereignissen anwesend, die sie sah. Sie konnte viel aus dem Leben Christi und über die Menschen um ihn in allen Einzelheiten berichten. Nachdem sie die Stigmata erhalten hatte, kamen viele Menschen aus ganz Europa, sie zu besuchen, weil sie Zeuge dieses Wunders sein wollten. Einer von ihnen war der deutsche Dichter Clemens Brentano, der bei ihrer Begegnung von der Reinheit ihres Wesens so beeindruckt war, dass er sich entschloss, bei ihr zu bleiben und ihr Schreiber zu werden. Interessanterweise hatte Anna Katharina Emmerich vorher eine Schau, in der ihr ihr Engel mitteilte, dass jemand kommen und ihr Schreiber werden würde. In der Schau wurde von „dem Pilger“ gesprochen. Als Clemens Brentano kam, erkannte Anna Katharina Emmerich unmittelbar, dass er derjenige sei, den sie in der Vision gesehen hatte. Clemens Brentano besuchte sie über mehrere Jahre täglich und schrieb auf, was sie gesehen hatte, denn sie diktierte ihm den Inhalt ihrer Schauungen. Liest man Anna Katharina Emerichs Bericht vom Leben Christi, hat man einen unmittelbaren authentischen Eindruck. Aber als Wissenschaftler war Powell nicht einfach mit diesem Gefühl der Wahrheit zufrieden. Er wollte sich vergewissern, ob ihre Visionen wahr seien oder nicht. Er studierte ihre Schauungen Zeile für Zeile und fand, dass sie Angaben machte über Orte, Wochentage und Daten im hebräischen Kalender, vor allem bezüglich der jüdischen Feste. Ohne Hintergrund in astronomischer Chronologie wird man nicht notwendig diese Einzelheiten bemerken. Zum Beispiel bei einer Gelegenheit sagte sie, „Jesus lehrte in der Synagoge zu Ainon…. An jenem Abend nach Sabbatende…war der Beginn des Laubhüttenfestes…“[2]

 

Mit einem Hintergrund in astronomischer Chronologie weiß man, dass das Laubhüttenfest am fünfzehnten Tag des Monats Tishri im hebräischen Kalender beginnt. Dies ist ein Mondkalender, so dass der fünfzehnte Tag – der in die Mitte eines Mondmonats fällt, der 29 bis 30 Tage hat – zusammenfällt mit dem Vollmond. (Im hebräischen Kalender beginnt der Monat mit dem ersten Erscheinen der dünnen zunehmenden Sichel des Neumondes in der Abenddämmerung.) Da sich darüber hinaus der hebräische Sabbat von der Dämmerung am Freitagabend bis zur Dämmerung am Samstagabend erstreckt, muss es am Samstagabend gewesen sein „nach Beendigung des Sabbats.“ Also fand dieses Ereignis am Samstagabend bei Vollmond statt. Powell sammelte alle Angaben, die in dieser Art von Anna Katharina Emmerich gemacht wurden und fand zu seiner Überraschung, dass sie alle genau in die Zeit vom Jahr 29 bis zum Jahr 33 im hebräischen Mondkalender passten. Da Powell einen Diplomabschluss in Statistik und Wahrscheinlichkeitstheorie hat, so dass er nach seiner Graduierung sechs Jahre an der englischen Universität Brighton (früher Brighton Polytechnikum) Statistik und Wahrscheinlichkeitstheorie unterrichtete, arbeitete er die Wahrscheinlichkeit dieser sehr spezifischen Angaben heraus und fand, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Daten zufällig richtig seien bei 1: ca. 435 Milliarden lag.  Jeder, der etwas von Wahrscheinlichkeitstheorie versteht, weiß, dass deshalb die Daten, die Anna Katharina Emmerich bringt, authentisch sind. Um ganz sicher zu sein, ließ Powell seine Arbeit von zwei anderen Mathematikern prüfen, die zu demselben Ergebnis kamen.[3]

 

So kann gesagt werden, dass es zum ersten mal in der Geschichte möglich war, die wahren und genauen Daten des Lebens Christi herauszufinden, vor allem von der Taufe im Jordan (aber auch von kurz vor der Taufe) bis zur Kreuzigung und Auferstehung und kurz danach. Darüber hinaus gab Anna Katharina Emmerich, obwohl sie in der kleinen Stadt Dülmen  bettlägerig war und keine Bücher las – sie konnte kaum lesen und schreiben – gab sie genaue und detaillierte Beschreibungen der dortigen Sitten zur Zeit Christi und auch die genaue Topographie von Palästina. Zum Beispiel war die Beschreibung des Hauses der Maria in Ephesus (jetzt Türkei) so detailliert und exakt, dass zwei Priester im Jahr 1891 die Gegend um Ephesus erkundeten und einen Ort fanden, der genau ihrer Beschreibung entsprach. Ein Archäologe zeigte, dass das, was sie gefunden hatten, die Überreste eines Gebäudes aus dem ersten Jahrhundert seien und dass die Anordnung der Räume genau Anna Katharina Emmerichs Beschreibung der Bauweise entsprach. Das Haus wurde anschließend nach dieser Beschreibung wieder hergestellt und ist jetzt ein wichtiges Pilgerziel geworden.

 

Wenn wir den Bericht der Anna Katharina Emmerich über das Leben Jesu Christi lesen, sind wir auf einem sicheren Grund, die Wahrheit zu verstehen. Selbst wenn man nicht sagen kann, dass jedes Wort, das sie von ihren Schauungen berichtet, absolut wahr ist, so ist doch von dem, was Powells sorgfältige Forschung gebracht hat, der Schluss unerlässlich: die Daten im Leben Christi, die sie durch ihre Schauungen aufzeigte – oder die aufgrund ihrer Beschreibungen entdeckt wurden – sind aktuelle historische Daten. Ihre Arbeit ist eine Demonstration der Kraft und Fähigkeit einer gewissen Art seherischer Begabung, historische Daten und geographische Bestimmungen lang vergangener Ereignisse als Realität zu nehmen – mit einer mehr oder weniger hundertprozentigen Sicherheit, wie die Anwendung der Wahrscheinlichkeitstheorie auf Anna Katharina Emmerichs Kalenderangaben zeigt.

Da die statistische Wahrscheinlichkeit, dass die Daten, die aus ihren Aussagen abgeleitet wurden, wahr und authentisch sind  – siehe Seite 515    1:435 Milliarden beträgt,  besitzen sie eine Sicherheit von 99.9999999999977 %.



[1] Robert Powell, Chronik des lebendigen Christus (deutsche Ausgabe, Verlag Urachhaus 1998).

[2] Anna Katharina Emmerich, The Life of Jesus Christ (TAN Books: Rockford, USA 2004), Bd. 2, S. 374-375.

[3] Die Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit von Anna Katharina Emmerichs Bericht ist in Robert Powells Chronik des lebendigen Christus, Verlag Urachhaus, 1998 S. 515 besprochen.

*****

Die Auseinandersetzung mit den Versuchungen
 
Da in unserer heutigen Zeit, die Frage nach dem Erkennen der Versuchungen immer mehr ins Bewusstsein der Menschen dringt, möchte ich folgende Abschnitte wortgerecht wiedergeben, die Valentin Tomberg 1965 diesbezüglich in der Schrift „Lazarus, komm heraus“, Herder Verlag, Seite 93 ff  geschrieben hat:
 
„Die Auseinandersetzung mit einer Versuchung geschieht nicht durch glattes und sofortiges Abweisen der Versuchung – und noch weniger dadurch, dass einer sofort und völlig der Versuchung anheimfällt. „Auseinandersetzung mit der Versuchung“ ist ein mehrstufiger Vorgang; der mit der Verdauung vergleichbar ist – ein alchemistischer Prozess der Scheidung der Elemente des Wertvollen und Wahren von den Elementen des Schädlichen und Unwahren, wobei die ersten assimiliert und die letzten ausgeschieden werden. Es ist ein Vorgang der Umwandlung des JA in ein NEIN, d.h. der Läuterung, bei der die wachsende Einsicht und Ernüchterung die verführerische Mischung von Wahr und Unwahr, Wert und Unwert (worin das Wesen der Versuchung besteht und was ihre versucherische Wirkung ausmacht) entmischt, scheidet und zuletzt die beigemischten Elemente der Lüge und des Giftes ausscheidet.
Sich mit einer Versuchung auseinandersetzen bedeutet, in einem Zustand des Zwiespalts mit Wachsamkeit leben, und zwar so lange in ihm leben, bis der Zwiespalt überwunden ist. Der Zwiespalt bei dieser Auseinandersetzung mit der Versuchung kann intellektueller Art sein - dann handelt es sich um den Zustand des Zweifels; der Zwiespalt kann seelischer Art sein – dann geht es um die Verlockung; er kann aber auch im Bereich des Willens selbst eintreten – dann haben wir es mit Verführung zu tun. Denn was Verführung für den Willen ist, ist Verlockung für das Gefühl und Zweifel für das Denken….
Solcher Art waren auch die drei Versuchungen des Gottmenschen in der Wüste, von denen die Evangelien berichten. Diese drei stellen die Zusammenfassung, ja das Wesen aller Versuchung dar, der die Menschheit in ihrer Geschichte ausgesetzt ist. Denn in der Geschichte der Menschheit handelt es sich stets von neuem – erstens – um die Auseinandersetzung mit der (unter tausendfältiger gestalt auftretenden) Versuchung, das Qualitative durch das Quantitative – und das Lebende durch das Tote und Mechanische zu erklären; Qualitatives und das Lebende aus dem Quantitativen und Mechanischen zu schaffen – mit anderen Worten: „Steine in Brot“ zu verwandeln.
Zweitens geht es immer wieder um die Versuchung, das Wachstum der Einsicht und das Reifen in der unantastbaren Freiheit des Gewissens und der Vernunft durch Gewalt und Zwang zu ersetzen – um die Versuchung also, durch die Macht der Herrschaft Gewissen und Vernunft der Menschen zum Gehorsam zu zwingen („die Welt und ihre Herrlichkeit in Besitz zu nehmen“).
Drittens geht es stets von neuem um die Versuchung, sich statt von hohen moralischen Idealen von den im Dunkel des Unterbewusstseins wirkenden Instinkten leiten zu lassen, d.h. um die Versuchung, sich „von den Zinnen des Tempels zu stürzen“.
 
Die Versuchung, sich „von den Zinnen des Tempels zu stürzen“ wird immer dann wirksam, wenn Menschen oder Völker sich – statt dem Bewusstseinslicht – der Leitung durchs Unbewusste und Triebhafte hinzugeben, d.h. sich in eine der vielen Arten des Rauschzustandes versetzen, aus dem sie die ihr Handeln und Denken bestimmenden Impulse schöpfen. Dieser Rauschzustand kann als „revolutionäre Hingerissenheit der Massen“ oder als „religiösen Fanatismus“, oder auch einfach als die Wirkung des Wirbeltanzes bei Schamanen und Derwischen auftreten – er ist in jedem Fall ein „Sturz von der Zinne des Tempels“, von der Zinne des Bewusstseins und des Gewissens, und gleichzeitig Hingabe an die elektrisierende Leitung durch das Unbewusste und Gewissen-lose.
Dieser Rauschzustand äussert sich nicht nur in Lynchgerichten, in Progromen, in barrikadenfreudigen Strassenkundgebungen des Pöbels und „verpöbelter“ Studenten, sondern auch in den friedlicheren Formen des auch heute noch ungeheuer verbreiteten Aberglaubens. Denn das Wesen des Aberglaubens Verzicht auf Bewusstseinsklarheit zugunsten der Finsternis des Unbewussten und des Ungewisshaften, d.h., Aberglaube ist ebenfalls ein Rauschzustand, wo das Bewusstsein „von der Zinne des Tempels“ gestürzt ist. Eigentlich liegt Aberglaube überall dort vor – ob in der Zauberei oder Wissenschaft - , wo auf das „WAS“ zugunsten des „WIE“ verzichtet wird, d.h. , wo man Kräfte und Dinge ohne Einsicht in ihr Wesen manipuliert.
Wie die Versuchung, sich „von der Zinne des Tempels zu stürzen“, so  tritt auch die Versuchung, „Steine in Brot zu verwandeln“, in vielerlei Gestalt und auf vielen Ebenen auf. Wenn z.B. Friedrich Engels den Lehrsatz aufstellt, dass Quantität durch Steigerung zur Qualität wird, so bedeutet dieser Lehrsatz nichts anderes als das Bekenntnis zur „Verwandlung von Steine in Brot“. Und wenn Karl Marx das Geistesleben als Funktion oder „Überbau“ des Wirtschaftslebens erklärt, so handelt es sich ebenfalls um ein „Ja und Amen“ -Sagen zu der Möglichkeit „Steine in Brot zu verwandeln“.
Ja, der Materialismus in jeder Schattierung und in jeder Form – theoretisch wie praktisch – ist die Versuchung, aus Unbelebtem Lebendes zu gewinnen oder das Lebende durch das Unbelebte zu erklären, aus Nichtbewusstsein das Bewusstsein entstehen zu lassen, die Qualität aus der Quantität hervorgehen zu lassen. …. Die Versuchung „Steine in Brot zu verwandeln“ ist offensichtlich am Werke in der materialistischen Gesinnungsart.
 
Die materialistische - oder materialisierende – Gesinnung verwandelt Wesen in Dinge Damit werden aber die Wesen gleichzeitig zu besetzbaren Sachen, d.h. zu Dingen, über die man nach Belieben verfügen kann. Besitzen bedeutet, dass man mit dem, was man „besitzt“, frei walten und schalten kann, d.h. Macht über sie hat. Und der „Wille zur Macht“, in dem Friedrich Nietzsche den Grundtrieb der fortschreitenden Entwicklung sah, ist tatsächlich ebenso allgemein wirksam, wie die Neigung zu Rausch und wie der Hang zum Materialismus.
 
Die Versuchung, die Wesen der Welt in Besitz zu nehmen, „Macht“ über sie auszuüben, ist ebenso universell im Leben der Menschheit wie die Versuchung, „von der Zinne des Tempels zu stürzen“ und „Steine in Brot zu verwandeln“. Die drei sind gleichsam die „natürlichen“ Gegebenheiten im menschlichen Leben. Und die Auseinandersetzung mit diesen drei „angeborenen Neigungen“  (den drei Versuchungen des Mensch gewordenen Gottessohnes in der Wüste) besteht im wesentlichen darin,, dass diesen drei „natürlichen Gegebenheiten“ drei moralisch-geistige, gleichsam übernatürlich Ideale gegenübergestellt werden, nämlich die „drei Gelübde“, auf welchen alles wahre geistige Leben und jeder geistige Fortschritt beruht – die Gelübde des Gehorsams, der Armut und der Keuschheit.
Dem „Willen zur Macht“ steht das Gelübde des Gehorsams gegenüber; der Neigung zum Materialismus steht das Gelübde der Armut gegenüber; und dem Hang, rauschhaft ins Unterbewusste abzutauchen, steht das Gelübde der Keuschheit gegenüber. …
 
Als Ideale gelten die „drei Gelübde“ nicht nur für Kloster- und Ordensleute allein, sondern für jeden Menschen, der nach Wahrheit strebt, ja für jeden, der überhaupt in verantwortungsvoller Weise seine Lebensaufgaben erfüllen will. Jeder Mensch, dem es um Wahrheit und Güte geht, hat sich eben dadurch – unwiderruflich – verpflichtet, sich um jenen Weg zu bemühen, den das dreifache Ideal des Gehorsams, der Armut und der Keuschheit vorzeichnet. - Denn wie kann man nach Erkenntnis streben, ohne bereit zu sein, sich vor der Wirklichkeit ( der äusseren und der inneren Tatsachen) zu beugen und ihren Geboten – statt den eigenen Wünschen und Neigungen – zu gehorchen? Das Streben nach Wahrheit setzt Verzicht auf Willkür und Gehorsam der Wirklichkeit gegenüber voraus. Ohne Verzicht auf das „vorlaute“ eigene Sprechen ist es unmöglich die Stimme der Wahrheit zu hören. Gehorsam ist der Weg zum Hören der Stimme der Wahrheit. … Es geht um den Weg, auf dem man das Schweigen des eigenen gegenüber einem höher stehenden Anderen erlernt.
 
Die zweite Grundvoraussetzung für das Streben nach Wahrheit ist das Nichtbefriedigtsein, Hunger und Durst nach Wahrheit: die „Armut“. Denn wie man ein Gefäss , das bis zum Rande gefüllt ist, keine Flüssigkeit mehr hineingiessen kann, so ist auch ein „geistig Reicher“, ein Mensch, der von einem Aspekt der Wahrheit oder einem Gedankensystem ganz „ausgefüllt“ ist, nicht mehr aufnahmefähig für andere Aspekte der Wahrheit oder für Gedanken und Ideen, die in sein System nicht passen. Der Quellstrom der Wahrheitsoffenbarung setzt Leere voraus. Darum heisst die erste Seligpreisung der Bergpredigt: „Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich.“ (Mt 5,3) Aber diese „Armut im Geiste“ bedeutet keineswegs Interesselosigkeit oder Dummheit, sondern aktive Sehnsucht, das Streben nach stets vollkommenerer und tieferer Wahrheit. Es wäre darum sinngemäss, die Worte der Seligpreisung statt durch „Arme im Geiste“ durch „Bettler um Geist“ zu übersetzen. Denn ein „Bettler“ ist nicht nur ein Mensch, der nicht hat, der arm ist, sondern einer, der empfangen möchte, der sich seiner Armut bewusst ist und die Hand ausstreckt, bittend um eine Gabe…. Nur wer sich bewusst ist, dass alle Bildung und alles Wissen „dieser Welt“ in Wirklichkeit Armut bedeutet hinsichtlich der Erkenntnis des eigentlichen Wesens, ist ein „Bettler um Geist“ im Sinne des Evangeliums. Nur er bringt jene innere Leere der Wesens-Offenbarung entgegen, die die letztere voraussetzt. …
 
Desgleichen dient das dritte Gelübde der geistigen Orden, das „Gelübde der Keuschheit“, der Einübung einer Fähigkeit und Gesinnung, die für den Wahrheitssucher ebenso unerlässlich ist wie „Gehorsam“ und Armut“. Denn das Erleben und Erkennen der Wahrheit setzt eine Art von Nüchternheit, von Besonnenheit voraus, durch die man die Wahrheit vom Rausch der Einflüsterungen (des Blutes und des Bodens) etwa, des „kollektiven Klassenbewusstseins“ oder anderer Quellen des Unterbewusstseins, die das menschheitliche Bewusstsein bestimmen) ebenso sicher unterscheiden kann, wie man Sonnenlicht vom elektrischen Licht unterscheidet. Unkeuschheit ist Berauschtsein in jeder Form, und Keuschheit ist Besonnenheit, d.h. Erkennen und Handeln im Lichte der Sonne der Vernunft und des Gewissens….
 
Die Erscheinungen der Weltgeschichte sind ihrem moralisch-geistigem Wesen nach die Auseinandersetzung zwischen den drei „Gelübden“ und deren der „Versuchungen in der Wüste“. Kriege werden geführt, Länder erobert, Völker wandern, Aufstände und Revolutionen erschüttern die Gesellschaftsordnung, neue technische Erfindungen und wissenschaftliche Entdeckungen bewirken tiefgreifende Veränderungen im Wirtschaftsleben, in der Lebeweise und in Kriegsführung der Völker – aber worauf es in allen diesen Ereignissen eigentlich ankommt, ist die Auseinandersetzung zwischen den drei „Versuchungen“ und den drei „Gelübden“ im Bewusstsein der Menschen.
* Da stehen Macht und Zwang - dem Dienst und dem freien Gehorsam gegenüber, * der ewige babylonische Turmbau mit materiell-technischen Mitteln (Ausdruck gottloser Selbstgenügsamkeit der Menschheit) - steht gegenüber dem gottergebenen Mitwirken am Werden des von oben herunter steigenden „Reiches der Himmel und seiner Gerechtigkeit“,
* und der Rausch des vulkanisch ausbrechenden Triebhaften steht - dem Erstrahlen des Bewussten Ich gegenüber.
 
Und diese entgegengesetzt gerichteten Kräfte bewirken die Wirbel, die wir „weltgeschichtliche Ereignisse“ nennen, und bestimmen ihre Stärke, ihr Ausmass und ihre Dauer.
 
(die Schrägschrift wurde von G.D.Gundersen zum leichteren Erfassen eingefügt)
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Hier ein Text von Robert Powell über den Choreocosmos:
Liebe Freunde,
was ist das große geistige Ideal der Choreocosmos Schule? Es ist in Verbindung mit dem Göttlichen zu kommen und die Verwandtschaft der Menschen mit dem Kosmos und der Erde zu feiern. Das Bestreben des Choreocosmos ist die Seele zu erheben zu einer bewussten Erfahrung der Harmonie der Sphären und das menschliche Herz aufzuwecken für die Gegenwart des Göttlichen, wobei der Pfad zu einem bewussteren Erlebnis des göttlichen Ursprungs der Seele geöffnet wird. Auf diesem Wege kann der Choreocosmos – im kosmischen und sakralen Tanz – helfen, das geistige Erwachen gegenüber dem kosmischen Christus und auch zur göttlichen Sophia, der Seele des Kosmos, zu fördern.
 
         Es ist erfreulich, dass die Choreocosmos Schule jetzt weiter aufblüht in verschiedenen Teilen der Welt – zum Beispiel in Australien, Europa und Nord Amerika. Auf diese Weise wird ermöglicht, dass die Mysterien des Göttlich-Weiblichen (Sophia) und des Kosmischen Christus, sowie die neue Sternenweisheit (Astrosophie) und die Weisheit der großen geistigen Lehrer der Menschheit sich nah und fern verbreiten. Darüber hinaus ist Choreocosmos auch ein Weg der Heilung und Verwandlung der Erde. Unsere regelmäßigen jährlichen Zusammenkünfte sind heilsam nicht nur für die Teilnehmer sondern auch für die Erde.
 
         Erwachtes geistiges Bewusstsein nimmt ein kontinuierliches Fliessen der göttlichen Energien – kosmisches Licht, Leben und Liebe – zwischen dem Kosmos, der Sonne und der Erde wahr. Letztendlich ist die göttliche Liebe die Quelle aller Existenz. Durch die harmonischen Rhythmen und geometrischen Formen der kosmischen und sakralen Tänze, verbinden wir uns, in Leib und Seele, in Herz und Geist, mit den kosmischen Kräften und der göttlichen Liebe –und schließlich mit dem höchsten Bewusstsein, das Alles erschuf.
        
         Ein Gefäss für die göttliche Liebe zu werden ist das geistige Ideal der Choreocosmos Schule für kosmischen und sakralen Tanz.
 
Auf den Tagungen freut man sich alte Freunde zu treffen und neue Freunde zu finden.
 
Mit herzlichen Grüßen
Robert Powell
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Rudolf Steiner und seine Beziehungen zu Zarathustra
 
 
 
Am Wochenende, 16. und 17. November 2007, fand in Stuttgart ein Astrologie-Seminar statt, in welchem die Beziehungen Rudolf Steiners zu Zarathustra bzw. zu dem Meister Jesus betrachtet wurden. Es wurde das Geburtshoroskop Rudolf Steiners mit dem Todeshoroskop von Thomas von Aquin verglichen. Das Ergebnis war eindrucksvoll.
 
Denn die astrosophische Forschung, so zeigte sich, kann die zwischen beiden bestehende Reinkarnationsbeziehung bestätigen wie auch den Umstand, dass es keine Zwischeninkarnation zwischen dem Leben als Thomas von Aquin († 1274) und dem als Rudolf Steiner (* 1861) gegeben hat. Im Zusammenhang mit Rudolf Steiners eigenen Aussagen (siehe unten) entsteht so ein bedeutsames Bild:
 
Da sich Zarathustra bzw. der Meister Jesus im 14. Jahrhundert als der Gottesfreund vom Oberland († circa 1380) inkarniert hat und da es keine Inkarnation der Individualität Rudolf Steiners zwischen 1274 und 1861 – und deshalb auch nicht im 14. Jahrhundert – gegeben hat, ergibt sich eindeutig, dass Rudolf Steiner nicht identisch sein kann mit Zarathustra bzw. mit dem Meister Jesus. Vielmehr handelt es sich um eine inspirative Beziehung zwischen beiden Individualitäten.Dies wird durch Rudolf Steiners eigene Aussagen im Folgenden wie auch durch die astrosophische Forschung (siehe unten, Fußnote 2) bestätigt.
 
GA 264, S. 55:
 
Es hat in meinem früheren Leben vor Jahrhunderten eine Persönlichkeit die Rolle gespielt, dass sie mich einer gewissen Familiensphäre entriss und mir die Wege damals möglich machte, die zu meinem damaligen Berufe, einem katholischen Priester, nötig waren.[1]
 
 
GA 264, S. 238:
 
Auf eine Frage nach dem Gottesfreund vom Oberland [† circa 1380] habe Rudolf Steiner geantwortet, dass er der Meister Jesus gewesen sei, der seit dem Mysterium von Golgatha in jedem Jahrhundert inkarniert sei. Auf die weitere Frage, ob er auch jetzt inkarniert sei, wurde geantwortet: derzeit hält er sich in den Karpaten auf und Rudolf Steiner habe angedeutet, dass er mit ihm in rein geistiger Verbindung stehe.
 
(Überliefert durch Friedrich Rittelmeyer ohne nähere Zeitangabe)
 
 
...Auf die weitere Frage: War der Gottesfreund Zarathustra, antwortete Rudolf Steiner: Ja.
 
(Überliefert aus Gesprächen der Christengemeinschaftspfarrer W. Klein und Emil Bock mit Rudolf Steiner im Februar 1924)
 
 
GA 264, S. 329:
 
An der Spitze unserer westlichen Schule stehen zwei Meister: der Meister Jesus und der Meister Christian Rosenkreutz. Und zwei Wege führen sie uns, den christlichen und den christlich-rosenkreuzerischen Weg. Die große weiße Loge leitet alle spirituellen Bewegungen, und der Meister Jesus und der Meister Christian Rosenkreutz gehören ihr an.
 
(Esoterische Stunde vom 1. Juni 1907 gehalten in München)
 
GA 264 = Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904-1914 (Rudolf Steiner Gesamtausgabe Bd. 264: Dornach/Schweiz 1984)
(Von RP hervorgehobene Stellen erscheinen kursiv. Im Originaltext sind sie nicht kursiv.)
 
 
Aufzeichnung eines Gesprächs von Rudolf Steiner mit Friedrich Rittelmeyer:
 
Rittelmeyer sagt: Als er eine Lebensskizze Dr. Steiners zu schreiben hatte, erzählte ihm Dr. Steiner im Beisein Frau Dr. Steiners: Er hätte zwei Initiatoren gehabt, Christian Rosenkreutz und den Meister Jesus (Zarathustra). Letzterer wies ihn auf Fichte.
 
(Tagebuch von Walter Johannes Stein: Aufzeichnung von einem Gespräch mit Friedrich Rittelmeyer vom 9. Juli 1924)
 
 
Verschiedene Menschen haben geglaubt und einige glauben immer noch – trotz der Veröffentlichung im Jahre 1984 von Rudolf Steiners eindeutigen Aussagen im Band GA 264 –, dass Rudolf Steiner der wiedergeborene Zarathustra sei. Und aufgrund zweier Aussagen Valentin Tombergs – (1) und (2) unten – wird es oft behauptet, dass auch er Rudolf Steiner als Zarathustra identifiziert habe:
 
 
1.     Rudolf Steiners Mission als Zarathustra, als Vorbereiter des Christus im Ätherischen, ist gelungen; – das, was er als Rudolf Steiner tat, ist nicht gelungen. (S. 104)
2.     Dann starb Rudolf Steiner, und in derselben Zeit war in Russland eine Anzahl von Okkultisten versammelt, die eine innere Erschütterung erlebten zur gleichen Zeit; wie ein Donnern in der Ätherwelt erlebten sie das. Es stellte sich heraus, dass das genau Rudolf Steiners Todesstunde war.[2] „Der Zarathustra ist gestorben“, wusste man bald, denn so nannten ihn die wirklichen Okkultisten allgemein. (S. 124)
 
 
(Valentin Tomberg, Karmische Zusammenhänge bei Gestalten des Alten Testaments: Mitteilungen aus der Arkandisziplin, Achamoth Verlag, Taisersdorf/Bodensee 2003)
 
 
Allerdings lassen sich diese Aussagen (1) und (2) auch anders deuten – also nicht im Sinne einer Identität Rudolf Steiners mit Zarathustra, sondern im Sinne der Trägerschaft des Impulses des Zarathustra, der durch Rudolf Steiner verwirklicht wurde. Eine solche Auffassung entspricht den oben zitierten Aussagen Rudolf Steiners aus GA 264, aus denen zugleich hervorgeht, dass Rudolf Steiner ein Schüler des Meisters Jesus (Zarathustra) war. Überdies sagte Valentin Tomberg in seinem Vaterunser-Kurs das Folgende:
 
 
Rudolf Steiner hatte in seinem Leben die Wahl: entweder nicht zu sprechen und stark magisch zu wirken, oder aber zu sprechen dann aber überhaupt nicht magisch zu wirken. – Er fand es wichtig, dass viele Menschen gedanklich und anders auf das Kommen des Christus im Ätherischen vorbereitet wurden. Deshalb verzichtete er auf seine weiße Magie. Er hatte ungeheure Kräfte, denn eine so große Individualität wird nicht oft inkarniert.
 
(„Über die drei Proben,“ 3. Juni 1941 – Der Vaterunser-Kurs, III. Teil (Achamoth Verlag, Taisersdorf 2009), S. 52.
 
 
Dr. Robert Powell

Fußnoten:
 
[1]              Zu diesen Angbaben führt Klaus J. Bracker Folgendes aus: „In dem Leben des heiligen Thomas von Aquino aus der Feder des ältesten Biographen des Heiligen, Wilhelm von Tocco, wird man im 11. Kapitel die Rolle seiner Mutter beschrieben finden, die ihm im Sommer 1245 als damals etwa 21-Jährigem zur Flucht aus der familiären Gefangenschaft verhalf, nach welcher er von seinen geistlichen Brüdern herzlich in Empfang genommen wurde. Im Anschluss daran hatte Thomas sich schließlich auf den Weg zu Albertus Magnus nach Köln begeben. Dieser Hinweis Steiners an das Ehepaar Paulus auf sein früheres Leben ‚vor Jahrhunderten’ (als Thomas von Aquin) ist nun zweifellos dahingehend zu verstehen, dass zwischen dem 13. und dem 19. Jahrhundert keine anderen Inkarnationen seiner Individualität zu suchen sind. Dies wiederum steht zu der Annahme einer gleichzeitigen Identität Steiners etwa mit dem ‚Gottesfreund vom Oberland’, als der der Meister Jesus ja wirkte, in diametralem Gegensatz.“ – Siehe: Klaus J. Bracker, Grals-Initiation – Anthroposophische Esoterik und die künftige Jesus-Offenbarung. Stuttgart 2009 (Anm. 69, S. 337; dort auch der Nachweis der erwähnten Schrift Wilhelms von Tocco). – In dieser Arbeit behandelt Klaus J. Bracker die individuellen Einweihungserfahrungen Rudolf Steiners als exemplarisch für die Einweihung in die modernen Mysterien des Grals. Bracker macht so verständlich, warum Rudolf Steiner selbst seine Hauptschrift, Die Geheimwissenschaft im Umriss, als Ergebnis der modernen Grals-Wissenschaft bezeichnete. Deren Grundmotiv als „Involution – Evolution – Schöpfung aus dem Nichts“ erweist sich in Brackers Schrift als eine Chiffre zur Entschlüsselung der Tiefendimension der Anthroposophie. Mit Blick auf die „künftige Jesus-Offenbarung“ behandelt der Autor übrigens den salomonischen Jesus wie den nathanischen Jesus in großer Ausgewogenheit. Letzteren, den nathanischen Jesus, betrachtet er im 3. Kapitel der Schrift eindringlich auch in dessen östlicher Manifestation – als den Menschheits-Avatar Shri Krishna.
 
[2]              Beim Vergleich von Rudolf Steiners Todeshoroskop (siderisch) mit dem siderischen Geburtshoroskop des salomonischen Jesus (Meister Jesus) erkennt man, dass die Sonne (15½° Fische) bei Rudolf Steiners Tod genau an der gleichen Stelle (15½° Fische) wie bei der Geburt des salomonischen Jesus stand – ein kosmischer Hinweis auf die inspirative Beziehung Rudolf Steiners zu der Individualität Zarathustras bzw. des Meisters Jesus.